Konzert für Chor, Solisten und Orchester

Haydn: Theresienmesse
Mozart: Vesperae solennes de confessore

Besetzung:

Magdeburger Domchor

Märkisch Barock
(auf klassischen Instrumenten)

Leitung: Barry Jordan

Mobirise

Clara-Sophie Rohleder

Sopran

Mobirise

Ivonne Fuchs

Alt

Mobirise

Götz-Phillip Körner

Tenor

Mobirise

Felix Rohleder

Bass


Zum Programm

Wolfgang Amadeus Mozart
Vesperae solennes de confessore
KV 339

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) reichte 1777 eine Bitte auf Entlassung aus dem kirchlichen Dienst bei dem Erzbischof von Salzburg, Hieronymus Colloredo, ein. Nach derer Bewilligung war er frei, erneut mit seiner Mutter auf die Reise zu gehen, immer auf der Suche, nach einer neuen, besseren Anstellung. Zunächst sprach er am Bayerischen Kurfürstenhof in München vor, versuchte dann vergeblich sein Glück in Augsburg und danach noch in Mannheim, wo er ebenfalls keine Position fand, aber die Familie Weber und seine spätere Frau Constanze kennenlernte (verliebt war er allerdings in deren Schwester Aloisia.) Nach einem fünfmonatigen Aufenthalt dort reisten Mutter und Sohn nach Paris, wo die Mutter einige Monate später, im Juli 1778, verstarb. Widerwillig trat Mozart im September die Rückreise nach Salzburg an, um dort eine Anstellung als Hoforganisten anzutreten. Allerdings reiste er über Straßburg, Mannheim und München und kam erst, wohl nicht zuletzt weil er erneut die Weber-Familie begegnete, Mitte Januar 1779 an; am 17. Januar wurde er als Hoforganisten installiert und behielt die Anstellung für etwa 20 Monate, bis er nach Wien übersiedelte und sich als freischaffender Musiker durchschlug.

In dieser Periode fallen einige der bekannteren kirchenmusikalischen Werke, darunter die „Krönungsmesse“ KV 317 und beide Vesper-Vertonungen, die „Vesperae de Dominica“ KV 321 und die „Vesperae solennes de confessore“ (Festliche Vesper eines Bekenners) KV 339, die heute erklingt. Dies war Mozarts letztes Werk für den Salzburger Dom.

Die Vesperliturgie in Salzburg sah neben den Hymnen, Antiphonen und Schriftlesungen fünf Psalmen und das Magnificat vor; sie werden hier vertont. Was wir hören ist also nicht als zusammenhängende Komposition gedacht; es sind die festlichen musikalischen Bestandteile einer Liturgie (dies gilt natürlich ebenfalls für die meisten Messen). Die fünf Psalmen sind Psalmen 110 – 113 und 117; die gleiche Auswahl liegt der „Sonntagsvesper“ KV 321 zu Grunde. Für welches der zahlreichen Bekennerfeste diese Komposition gedacht war (wenn überhaupt), ist nicht bekannt.

Die Instrumentierung des Werkes ist, wie alle Salzburger Kirchenwerke Mozarts, auf der Grundlage des „Wiener Kirchentrios“ – 2 Violinen und Generalbass, wobei das Bassinstrument wahlweise Cello (oder 8‘ Violone) oder Kontrabass oder beides sein durfte; Bratschen kamen aber nicht vor – aufgebaut. Dazu kommen, um den festlichen Charakter zu verleihen, 2 Trompeten und Pauken, und drei Posaunen, die in der Salzburger Tradition mit den Alt-, Tenor- und Bassstimmen des Chores ständig mitspielten. Der Sinn von dieser Praxis ist nicht ganz klar; auf der einen Seite verleihen sie Sicherheit und gleichen chorische Unterbesetzungen aus, auf der anderen ist die Gefahr, dass sie die Singstimmen übertönen. Jedenfalls verleihen sie der Musik eine besondere, oft fast mystische Klangfarbe.

Die ersten drei Sätze und das Magnificat des Werkes sind in einem ausgelassenen, fröhlichen Gestus gehalten. Der vierte, Laudate pueri, hingegen (interessanterweise in beiden Vesperkompositionen) ist feierlich und getragen, bisweilen fast tragisch im Affekt. Laudate Dominum gehört zu den bekanntesten Kompositionen der Kirchenmusik – ein getragene Cantilena für Sopransolo, eine Melodie von atemberaubender Schönheit und Innigkeit.

Mozart selbst schätzte diese Werke; einige Jahre später bat er seinen Vater in einem Brief aus Wien, ihm die Partituren nachzusenden, da er sie dem Baron von Swieten vorlegen wollte.


Joseph Haydn
Missa in B-Dur Hob. XXII/12
"Theresienmesse"

Joseph Haydns Missa in B- Dur vom Jahre 1799 (von den sechs großen späten Messen sind vier in B-Dur) trägt, wie alle andere auch, einen Beinamen: sie wurde schon früh als „Theresienmesse“ bekannt. Wie allerdings dieser Beiname zustande kam, ist nicht bekannt. Naheliegend ist es, ihn in Verbindung mit der Kaiserin Maria Theresia, der zweiten Gemahlin Franz II., herzustellen; es gibt aber dafür keine Belege. Haydn komponierte tatsächlich 1799 ein Werk für die Kaiserin (die eine gute Sängerin war und die Solopartien beider Oratorien Haydns bei Privataufführungen in Wien übernahm), aber dieses Auftragswerk war nicht diese Messe, sondern das Te Deum Hob. XXXIIIc:2.

Franz Joseph Haydn, geboren 1732 in Rohrau in Niederösterreich, stand ab 1761 viele Jahre im Dienst der Familie Esterházy, die zu den reichsten und einflussreichsten Familien der Donaumonarchie zählte. Anfangs war er offiziell Vizekapellmeister mit Zuständigkeit für die „weltliche“ Musik am Hof, während sein Vorgänger Gregor Werner die geistliche Musik in der Schlosskapelle und in der Eisenstädter Bergkirche in der Hand behielt. Der Fürst Paul Anton plante offenbar eine Vergrößerung der bescheidenen Kapelle und die Etablierung einer Oper; er veranlasste den Bau eines Theaters im Schlosspark, starb aber bereits 1762, bevor die Konstruktion vollendet wurde. Nachfolger wurde sein Bruder Fürst Nikolaus I, „der Prachtliebende“, der bis dahin viel Zeit in dem geerbten Jagdschloss Süttör, auf der anderen Seite des Neusiedlersees, verbracht hatte. Er spürte wohl eine starke Verbindung zu dem Ort und ließ sich dort einen prachtvollen Palast errichten, den er Eszterháza nannte. Ab etwa 1766 zog das gesamte Haushalt dorthin und verbrachte, wenn überhaupt, nunmehr lediglich ein paar Wintermonate in Eisenstadt. Damit war auch Haydn, mit den Musikern seiner Kapelle, viel weiter entfernt von der Musikmetropole Wien als sie es in beschaulicher Eisenstadt ohnehin gewesen waren. Die Esterházys besaßen auch ein Palais in Wien – selbstverständlich – aber scheinbar nahmen sie die Kapelle nicht mit dahin. Auch 1766 starb Gregor Werner, so dass Haydn auch die Kirchenmusik übernehmen konnte. Wie Haydn selbst seinem Biographen Griesinger berichtete:

Mein Fürst war mit allen meinen Arbeiten sehr zufrieden, ich erhielt Beyfall, ich konnte als Chef eines Orchesters Versuche machen, beobachten, was den Eindruck hervorbringt, und was ihn schwächt, also verbessern, zusetzen, wegschneiden, wagen; ich war von der Welt abgesondert, Niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irre machen und quälen, und so mußte ich original werden.

Während dieser Jahre wuchs dennoch Haydns internationaler Ruhm; das Musikdruck- und Verlagswesen hatte sich in den vergangenen fünfzig Jahren rasant entwickelt und bereits ab 1781 gab der englische Verleger William Forster eine große Zahl von Haydns Werken heraus. Im September des Jahres 1790 starb Fürst Nikolaus I, und sein Sohn Anton – kein Musikliebhaber – wurde sein Nachfolger. Anton entließ die Kapelle (außer der Feldmusik); Haydn und der Konzertmeister Tomasini erhielten weiterhin volle Bezüge aber ohne Pflichten; die Residenzpflicht wurde auch aufgehoben. Haydn zog nach Wien, schlug das Angebot einer neuen Anstellung als Kapellmeister des Fürsten Grassalkowics aus und verkündete, nach den vielen Jahren Schwerstarbeit einige ruhige Jahre verbringen zu wollen. Bald aber, berichtete A.C. Dies 1810, erschien ohne Vorankündigung der Londoner Konzertagent Johann Peter Salomon „ohne Vorankündigung“ und erklärte „Ich bin Salomon aus London und komme, Sie abzuholen; morgen werden wir einen Akkord schließen“. Es wurde ein stattliches Honorar ausgehandelt; Haydn hatte eine Oper, 6 Sinfonien und 20 sonstige Werke zu komponieren und sie alle in London unter seiner Leitung aufzuführen. Haydn und Salomon reiste am 15. Dezember von Wien ab und erreichten über München, Bonn und Calais am Neujahrstag 1791 England. Er blieb in London bis Juni 1792; danach erfolgten zwei ziemlich ruhige Jahre in Wien, währenddessen er sich auf einen zweiten Besuch in London vorbereiten. Dieser erfolgte 1794 – 1795. Im Januar 1794, jedoch, starb Fürst Anton. Sein Sohn und Nachfolger, Fürst Nikolaus II, schrieb im Sommer desselben Jahres seinem noch-Kapellmeister mit der Bitte, zurückzukehren und die Eisenstädter Kapelle neu zu etablieren. Haydn bat um ein weiteres Jahr um seine Pflichten in England zu erfüllen, und verließ England erst am 15. August 1795.

Obwohl Haydn doch als Kapellmeister tätig war, Nikolaus II interessiert sich hauptsächlich für die Kirchenmusik, und die „Tafelmusiken“ und „Akademien“, die Haydn so beschäftigt hatte zu Zeit seines Vaters, waren mehr oder weniger aufgegeben worden. Er zog nie wieder ganz nach Eisenstadt, sondern hatte ein kleines Appartement im Schloss. Seine Hauptpflicht war, jährlich eine Messe zu komponieren für den Namenstag der Fürstin Maria Josepha Hermengilde (am 8. oder eventuell 12. September), welche am darauffolgenden Sonntag in der Bergkirche zur Aufführung gelangen sollte. 1796 wurde die erste dieser Werke gegeben. In aller Wahrscheinlichkeit war dies die Missa sancti Bernardi de Offida, genannt Heiligmesse; die Missa in tempore bello, oder Paukenmesse, wurde auch 1796 komponiert und wurde in der Wiener Piaristenkirche Maria Treu im Dezember gegeben. Die Eisenstädter Erstaufführung gelang dann vermutlich 1797. Auffällig ist die schlankere Bläserbesetzung der Eisenstädter Fassung; auf die Flöte, die zwei Klarinetten und die zwei Hörner wird verzichtet. Auch die Messen von 1798, die Missa in angustiis (Nelsonmesse) und 1799, die Theresienmesse, die heute erklingt, weisen diese sparsame Besetzung auf; in der Nelsonmesse“ erklingen, außer den Trompeten und Pauken, gar keine Bläser (eine Orgel wird benutzt, um den Streicherklang zu bereichern, und übernimmt im „Benedictus“ eine solistische Rolle), während in der Theresienmesse nur zwei Klarinetten und ein Fagott eingesetzt werden. Es liegt nahe, zu vermuten, dass die Kapelle in diesen Jahren über gar keine Bläser verfügte (außer den Trompeten, die für die Zeremonie unerlässlich waren). Die letzte zwei Messen dieser Folge, die Schöpfungsmesse und die Harmoniemesse benötigen dann wieder jeweils 10 oder 11 Bläser.

Diese scheinbare Einschränkung nutzte Haydn meisterhaft, um dem Werk einen ganz besonderen Charakter zu verleihen: die „Theresienmesse“ ist unter den sechs späten Werken das lyrischste und intimste. Kennzeichnend für die Messe ist die bedeutende Rolle, die den vier Solisten zugedacht ist. Sie treten nicht als brillierende Einzelkämpfer mit großangelegten Arien auf, sondern, ähnlich wie im Requiem Mozarts, zumeist als Quartett, als eine Art Miniatur-Chor, der Änderungen der Klanglichkeit bewirkt. Trotz ihrer kleinen Besetzung ist die „Theresienmesse“ von großer, mitunter dramatischer Wirkung. Vermutlich war das ein Grund dafür, dass sie wie die übrigen späten Messen Haydns oder Mozarts im 19. Jahrhundert (und weit ins 20. hinein) wenig Annahme fand: die Kirche störte sich an der Theateratmosphäre, dem weltlichen „Tonfall“, der, dem Zeitgeist nach, zu wenig „weihevoll“ war. Noch Igor Strawinski nannte diese Werke „musikalische Früchte der Sünde“. Der Komponist musste sich schon zu Lebzeiten gegen solche Vorwürfe verteidigen mit den Worten, „Ich weiß es nicht anders zu machen. Wie ich‘s habe, so geb‘ ich‘s. Wenn ich aber an Gott denke, so ist mein Herz so voll Freude, dass mir die Noten wie von der Spule laufen. Und da mir Gott ein fröhliches Herz gegeben hat, so wird er mir schon verzeihen, wenn ich ihm auch fröhlich diene.“


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